Orthopädische Medizin, Knie Anamnese

Knie Anamnese

Knie Anamnese

Alter

Das Alter kann von bedeutendem diagnostischen Wert sein: die typische Anamnese einer inneren Gelenkstörung (Stiche, Blockieren, Nachgeben) kann im unterschiedlichen Alter auf verschiedene Weise interpretiert werden:
Kind: habituelle Patellaluxation
Adoleszenter: freier Gelenkkörper durch Osteochondrosis dissecans
junger Erwachsener: Meniskusproblem
Erwachsener mittleren Alters: freier Gelenkkörper in einem osteoarthrotischen Gelenk.

Was ist Ihre deutlichste Beschwerde

Schmerz

Liegt die Ursache des Schmerzes in einer lokalen Läsion, oder wird er aus der Hüfte, der Lendenwirbelsäule oder dem Iliosakralgelenk übertragen? Das wird natürlich die Anamnese zeigen.

Parästhesien

Parästhesien in Verbindung mit einem Knieproblem sind sehr selten (lokale Kompression). In den meisten Fällen müssen wir dann zuerst die Lendenwirbelsäule untersuchen.

Bewegungseinschränkung

Behalten Sie im Sinn, dass eine Tendinitis / Tendinose niemals eine Einschränkung der passiven Beweglichkeit verursacht; eine Muskelbauchläsion (z.B. M.quadriceps femoris) jedoch verursacht eine passive Bewegungseinschränkung.
Ist es eine Bewegungseinschränkung im Sinne eines kapsulären oder nicht-kapsulären Musters? Darüber wird die Funktionsuntersuchung Aufschluss bringen.

Instabilität /Nachgeben/Blockieren

Dieses spezielle Gefühl ist für einen Patienten, der an einer inneren Gelenkstörung (Meniskus, freier Gelenkkörper) leidet, typisch. Besonders ein Unsicherheitsgefühl beim Treppabsteigen wird häufig erwähnt.

Schwäche

Gibt es eine wirkliche Schwäche durch eine partielle oder komplette Ruptur oder ein nervales Problem, oder ist es eine Schwäche wegen zu starker Schmerzen beim Ausführen eines speziellen Tests (z.B. wird die Extension gegen Widerstand bei einer Patellafraktur schmerzhaft und schwach sein)?

Schmerz

Wann hat er begonnen

Haben wir es mit einer akuten oder chronischen Läsion zu tun?

Wie hat er begonnen

Ein spontanes Auftreten von Symptomen („Ich weiß nicht, wie es begann.“) ist eher selten.

Überlastung ist gewöhnlich die Ursache eines Sehnenproblems oder einer Bursitis. Im Falle eines Traumas wäre es interessant zu wissen, was genau passiert ist; in welcher Richtung das Trauma gewirkt hat (obwohl dem Patienten eine Beschreibung nicht immer möglich ist); das Resultat könnte eine Teil- oder Totalruptur sein (Sehnen-, Band- oder Meniskusschaden).

Evolution

Wenn es ein Trauma gab, war dieses von einem sofortigen Funktionsverlust begleitet, oder dauerte es einige Zeit, bis die Funktion verloren ging?
Sofortiger Funktionsverlust Meniskus (Korbhenkel)?
Allmählicher Funktionsverlust typische posttraumatische Kapselreaktion, welche das ursprüngliche klinische Bild verschleiern kann.
Eine sofortige Schwellung ist das Ergebnis des Einfließens von Blut, das möglichst aspiriert werden sollte. Eine allmähliche Zunahme der Schwellung lässt auf synoviale Flüssigkeit schließen und ist auch typisch für die posttraumatische Kapselreaktion.
Wärme bedeutet, die Läsion befindet sich in einem aktiven Stadium.

Wie können Sie den Schmerz beeinflussen

Wir fragen den Patienten, welche Bewegungen, Haltungen oder Aktivitäten seinen Schmerz auslösen, verschlimmern oder lindern. Diese Informationen sollten mit den Angaben, die wir in der Funktionsuntersuchung erhalten, zusammenpassen. Wir nutzen diese Informationen auch als Bezug bei der Interpretation der Evolution während der Behandlung.

Evolution seit dem Beginn

Ist es schlimmer, besser oder unverändert seit dem Beginn der Beschwerden?

Wo fühlen Sie den Schmerz

Der Patient beschreibt natürlich seine jetzigen Symptome, aber es ist auch hier interessant zu wissen, wo seine Beschwerden begannen.

Denken Sie daran, dass ein sich versetzender Schmerz in die Richtung einer sich versetzenden Läsion, z.B. eines freien Gelenkkörpers, geht.

Wie würden Sie die Qualität des Schmerzes beschreiben

Die Schmerzintensität zu beschreiben ist natürlich sehr subjektiv. Im Normalfall geht ein starker Schmerz mit mehr Ausstrahlung einher (die Ausnahme sind knöcherne Strukturen z.B. eine Fraktur).
Ist der Schmerz konstant oder intermittierend? Ein konstanter Schmerz heißt automatisch das Vorhandensein eines Ruheschmerzes, wir überprüfen das, indem wir den Patienten fragen, was er gerade jetzt fühlt, während wir der Anamneseerhebung.
Weichteilläsionen verursachen meistens einen intermittierenden Schmerz. Ein wirklich konstanter Schmerz lässt auf einen chemischen Faktor schließen (Entzündung).
Ein nächtlicher Schmerz bedeutet nicht immer, es gibt einen großen chemischen Faktor; der Patient kann auch aus mechanischen Gründen aufwachen; während des Drehens im Bett fühlte er einen Stich, der ihn aufwachen ließ. Meistens beschreiben die Patienten Beschwerden bei bestimmten Aktivitäten; in schlimmeren Fällen könnte etwas Nachschmerz auftreten.
Stiche sind typisch für eine innere Gelenkstörung (freier Gelenkkörper oder Meniskus).

Parästhesien

Selten haben Parästhesien eine lokale Ursache; meistens gibt es hier eine lumbale Verbindung. In so einem Fall treten die Parästhesien sehr unregelmäßig auf, Tag und Nacht, manchmal in Ruhe, eventuell durch einige lumbale Bewegungen ausgelöst.

Subjektive Bewegungseinschränkung; Schwäche

Diese Informationen müssen im Zusammenhang mit denen aus der Funktionsuntersuchung gesehen werden.

Instabilität/Nachgeben/Blockieren

Ein Blockieren in Flexion ist typischer für ein Meniskusproblem. Bei einem Korbhenkelriss gibt es kein spontanes Deblockieren.
Ein freier Gelenkkörper neigt eher dazu, eine momentane Blockierung in Extension zu verursachen, gefolgt von einem spontanen Deblockieren (kleine Meniskusläsionen deblockieren ebenfalls spontan).
Die Häufigkeit der Blockierungen ist sehr unregelmäßig, ebenso das Gefühl des Nachgebens. Ein unsicheres/unstabiles Gefühl beim Treppabgehen ist typisch für einen freien Gelenkkörper in einem osteoarthrotischen Gelenk. Wenn das Treppauf- und Treppabgehen schmerzhaft ist, könnte uns dies zu einem Sehnenproblem führen.

Krankgeschrieben

Wenn ja, sollte das in Relation zur Natur der Läsion und der Tätigkeit des Patienten stehen.

Gleichzeitige Probleme in anderen Gelenken

Hier suchen wir nach einer Verbindung zu einer möglichen Rheumatoiden Arthritis, vielleicht in Verbindung mit Systemerkrankungen (vielleicht gibt es synoviale Verdickung am Femurkondyle).

Rezidive

Haben Sie dieses Problem zum ersten Mal? Wann hatten Sie es zuletzt; wie lange hat es gedauert; war es seitdem in Ordnung; erinnern Sie sich, was es ausgelöst hat?

Bisherige Behandlungen

Dies sind nur Hintergrundinformationen, sie sind nicht immer relevant. Falls der Patient vorher von einem anderen Therapeuten behandelt wurde, kann er nicht immer beschreiben, was genau gemacht wurde.
Es bedeutet nicht, dass eine bestimmte Technik, die vor 4 Wochen keinen Erfolg brachte, jetzt auch keinen bringen würde. Klinische Bilder verändern sich mit der Zeit.

Bildgebende Verfahren

Behandeln Sie keine Röntgenbilder! Behandeln Sie einen Patienten, der ein bestimmtes klinisches Bild zeigt. Ein Patient mit einer Osteoarthrose (sichtbar auf dem Röntgenbild) kann auch eine Bursitis oder Tendinitis (nicht sichtbar auf dem Röntgenbild) haben. Eine auf dem Röntgenbild sichtbare Kalzifikation ist nicht zwingend für die gegenwärtigen Beschwerden verantwortlich.
Der hauptsächliche Vorteil der bildgebenden Verfahren liegt darin, bestimmte Differentialdiagnosen zu stellen.

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